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Wildblumen & Inspiration – Bienenautomat mit Christina Gruber-Eifert & Sebastian Everding

Sebastian Everding ist gelernter Informationstechnikermeister aus Dortmund und auch der Erfinder des Bienenautomats. Er restauriert in Handarbeit alte Kaugummiautomaten aus der 1950er-1990er Jahren aus denen man kleine Kapseln mit regional typischen Wildblumensaatgut & und Blumenzwiebeln für wenig Geld erwerben kann.
Christina Gruber-Eifert kommt aus dem Rhein-Main-Gebiet und ist Pädagogin, tätig in der pädagogischen Erwachsenenbildung und engagiert sich leidenschaftlich für das Thema BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung).
Sie hat ihren Automaten zum “Be(e) the Change – TINAUTOMAT” weiterentwickelt, indem sie in einer der Hälften Zitate und Reflektionsfragen anbietet und auf nachhaltige Projekte, regional und in der ganzen Welt, aufmerksam macht.
In Juli 2021 haben wir uns mit den beiden über Kaugummiautomaten, Upcycling, Artenvielfalt und selbstverständlich über ihre Wandelpunkte unterhalten.

Sebastian

“Um die Entstehung der Idee vollständig verstehen zu können, muss man noch einen Schritt weiter in die Vergangenheit zurück gehen: Anfang 2019 habe ich im Internet erstmals von einem Witzeautomaten erfahren, den ein Kabarettist aus Nürnberg betreibt. Die Idee, einen alten Kaugummiautomaten „zweckentfremdet“ einzusetzen und trotzdem den Charme dieser Technik zu erhalten, hat mich direkt fasziniert, so nahm ich Kontakt nach Süddeutschland auf und wurde kurze Zeit später der Betreiber des zweiten Witzeautomaten weltweit. In dieses Projekt ist damals viel Freizeit eingeflossen und meine Lebensgefährtin sagte damals so einen Satz wie „Wenn du jemals nochmal etwas mit einem Automaten machst, dann sollte es etwas sinnvolleres sein als nur lustig“.
In unserem eigenen Garten achten wir sehr auf eine naturnahe Gestaltung mit insektenfreundlichen Pflanzen und geeigneten Nisthilfen und es war meine Lebensgefährtin, die schließlich die Idee hatte, Samenmischungen in einen alten Kaugummiautomaten zu füllen und ihn so zu einem Projekt zur Bienenrettung umzubauen. Ich habe es dann umgesetzt, zunächst „nur“ mit meinem eigenen Automaten in Dortmund bis dann aus ganz Deutschland nachfragen kamen, ob ich auch für sie welche „herstellen“ könnte…”

Tina

“Mein Wandelpunkt ist der Wunsch und das tiefe Bedürfnis, Teil der Veränderung zu werden, die ich in der Welt (auch für unsere Kinder) sehen will. Das Zitat von Gandhi „Be the change you want to see in the world“ – begleitet mich seit meiner Schulzeit und hat mir immer Kraft gegeben, für meine Werte einzustehen und ihnen durch mich eine Stimme zu geben.
Genau das macht das Bienenfutter Automaten Projekt. Es macht ohne Zeigefinger mit Freude und Leichtigkeit auf wichtige Themen wie die Erhaltung der Bienen, Insekten und auf Nachhaltigkeit aufmerksam. Es ist so schön, gemeinsam als Team, im Netzwerk FÜR ein Ziel, etwas in der Welt zu bewegen und andere einzuladen, auch ein aktiver Teil zu werden! Ob das durch das einpflanzen der Samen geschieht oder auf anderen Wegen, es geht darum, ein Bewusstsein zu schaffen. Als Pädagogin ist es auch ein Ziel von mir, Menschen zu inspirieren und wieder an ihre Selbstwirksamkeit zu erinnern. Bei Kindern – sie zu erhalten! Auch zu zeigen, wie wichtiger jeder Mensch ist, es uns alle braucht so unterschiedlich wir auch sind! Das uns diese bunte Vielfalt als Gesellschaft erst ausmacht!”


Christinas Beschreibung des TINAUTOMAT: “Ein Automat, der sich für Naturschutz einsetzt, gleichzeitig Inspiration schenkt und die Welt auf unterschiedlichen Ebenen zum blühen bringt (durch Blumen oder Impulse, Anregungen IN Menschen). Ergänzungen zu den kreativen Kapseln: ich gebe Zitate, Reflektionsfragen und Anregungen zum Glücklich sein mit kleinen Überraschungen mit auf den Weg, nutze den Automat aber auch als Medium für wichtige Projekte in der Welt auf die ich aufmerksam machen will. Wie Kapseln mit Bäumchen zu Pflanzaktionen von Technik ohne Grenzen in Hessen, Blühpatenschaften im Nachbarort, Besonderheiten unserer Region (Quarzitwerk), arbeite zum Beispiel auch einer Kapsel die das Projekt einer ehemaligen Lehrerin von mir unterstützt, die sich für Bildung und Chancengleichheit in Afrika engagiert.
Fühle mich mit der Agenda2030 der Vereinten Nationen sehr verbunden, die sich mit Nachhaltigkeitszielen auseinander setzt, die es braucht, um etwas in der Welt zu verändern.”

Links:
https://www.bienenautomat.de
https://www.facebook.com/bienenautomaten
https://www.instagram.com/betterworldmachines
kontakt@bienenautomat.de

https://www.instagram.com/tinautomat
https://www.instagram.com/christinagrubereifert
https://www.christina-grubereifert.com

Zwischenspielmusik “Wasp” vom Pseudosound
https://www.reverbnation.com/pseudosound


Falls ihr uns von eurem persönlichen Wandelpunkt erzählen möchtet und was daraus entstanden ist, oder wenn ihr jemanden kennt, den wir interviewen sollen, einfach kontaktieren oder eine E-Mail an kontakt@wandelpunkt-podcast.de schicken.
Wir freuen uns, von euch zu hören.

Rewilding – Hortus Nucis, Julia Auer

Julia Auer aus Frankfurt am Main ist nicht nur Mitgründerin des Wandelpunkt Podcasts, sie ist auch Wildnislotsin, ausgebildete Permakultur-Designerin und betreibt den privaten Natur-Garten namens Hortus Nucis. In diesem Garten liegt der Fokus darauf, Lebensraum für regionaltypische Pflanzen und Tiere zurückzugewinnen.
Im Juni 2021 saßen wir zusammen und haben uns über Gärten, die wilde Natur und wie Menschen sie umgestalten und natürlich über ihren Wandelpunkt unterhalten.

“Wandelpunkte hatte ich schon einige im Leben, aber ich möchte über meinen letzten großen Wandelpunkt erzählen.
2017 war ein ganzes Wandeljahr für mich persönlich. In dem Jahr zog unsere jüngere Tochter aus dem Haus, unsere ältere Tochter machte uns zu Großeltern und meine Mutter verstarb.
In diesem Jahr machte ich mich auf den Weg, mich auch beruflich zu verändern und endlich dem Ruf meines Herzens zu folgen, mich wieder vertieft mit der Natur zu beschäftigen. Ich entschied mich, Permakultur-Design mit dem südamerikanischen Ausbildungstrupp Ná Lu‘um zu studieren.
Nicht lange später entdeckte ich das Hortusnetzwerk und machte kurzentschlossen zwei mehrwöchige Praktika bei Markus Gastl in seinen beiden Gärten Hortus Insectorum und Hortus Felix.
Der Nussgarten bekam dadurch endlich seine Bestimmung und wandelte sich mit mir, und mit meiner Hilfe, in den Hortus Nucis um.
Mit Fotoapparat, Lupe und Bestimmungsapp bewaffnet entdeckte ich, neugierig wie ein kleines Kind, mir unbekannte Blumen und Insekten um mich herum. Ich begann zu sehen und immer mehr zu verstehen, wie sehr wir Menschen die Natur um uns herum beeinflussen. Es gab eine spannende Welt zu entdecken, eine Welt die es gilt für unsere Enkel zu schützen.
Es ist wunderbar erfüllend, regelmäßig Besucher zu empfangen und Ihnen die Schönheit der regionalen Natur zu zeigen, Ihnen nicht nur die Augen sondern auch die Herzen dafür zu öffnen.”


Der Hortus Nucis ist ein privates Naturparadies im Norden der Stadt Frankfurt, nahe des städtischen Grüngürtels.
Regelmäßig werden Führungen durch den Garten veranstaltet, bei der man sich den Zauber der regionalen Natur erklären lassen kann und auch erfährt, wie man diese
auf Fensterbank, Balkon oder im eigenen Garten unterstützen kann.

“Ich bin in Frankfurt geboren und aufgewachsen. Schon als Kind war ich sehr naturverbunden und habe über die Blumen in der Vase Tränen vergossen und verirrte Insekten aus der Wohnung nach draußen getragen.
Mit 21 habe ich aus Perspektivlosigkeit mein Studium der Geologie abgebrochen, bin in die USA ausgewandert und schließlich 11 Jahre geblieben.
Dort war ich immer gerne auf der Suche nach der wilden, unberührten Natur und man kann sie dort noch in einigen Nationalparks erleben.
2002 bin ich mit der Familie wieder nach Deutschland gezogen und habe dann als Sprachlehrerin und Mediatorin gearbeitet und nebenher natürlich stets immer gegärtnert.

Seit 2017 beschäftige ich mich nun hauptsächlich mit Permakultur und nachhaltigen Projekten, um den Wandel, den unsere Gesellschaft so dringend braucht voranzutreiben.”

Der Nussbaum in seiner ganzen Schönheit!

Links:
https://hortus-nucis.de
https://www.instagram.com/hortusnucis
https://www.facebook.com/nussgarten

YouTube Channel von Hortus Nucis

Zwischenspielmusik “Harmony” vom Pseudosound
https://www.reverbnation.com/pseudosound


Falls ihr uns von eurem persönlichen Wandelpunkt erzählen möchtet und was daraus entstanden ist, oder wenn ihr jemanden kennt, den wir interviewen sollen, einfach kontaktieren oder eine E-Mail an kontakt@wandelpunkt-podcast.de schicken.
Wir freuen uns, von euch zu hören.

Bürgerbegehren – Klimaentscheid Frankfurt, Sebastian Werner

Sebastian Werner ist geborener Wiesbadener und arbeitet als Ingenieur in Frankfurt. Er hat zusammen mit anderen aktiven Menschen das Bürgerbegehren “Klimaentscheid Frankfurt” ins Leben gerufen, mit dem Ziel, die Stadt auf kommunalpolitischer Ebene aufzufordern, verbindliche Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen.
Im April 2021 sprachen wir mit Sebastian darüber wie man ein Bürgerbegehren startet, die Macht der Bürger und natürlich seinen Wandelpunkt.

“In meinem Leben hatte ich mehrere Wandelpunkte. Die Eindämmung der Klimaerwärmung war bereits in meiner frühen Jugend ein Thema das mir am Herzen lag. Die Bewahrung der menschlichen Lebensgrundlagen erscheint mir so essentiell, dass ich gar nicht wüsste, warum man sich dafür nicht einsetzen sollte. Als ich feststellte, dass man den größten Hebel bzgl. der Reduzierung von CO2-Emissionen im Bereich der Energienutzung erzielen kann, entschied ich mich Ingenieurswissenschaften zu studieren. Neben dem Studium engagierte ich mich zuerst einige Jahre im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit ehrenamtlich. Im Laufe der Jahre hinterfragte ich die Entwicklungszusammenarbeit immer kritischer. Sehr viele Projekte haben entweder keinen oder nicht den erwünschten Effekt haben. Zudem finde ich per se sehr fraglich mit einem westlichen Mindset in ein anderes, vermeintlich unterentwickeltes Land zu gehen und dort irgendetwas verändern zu wollen. So entschied ich mich Anfang der 10er Jahre lokal zu engagieren, nach dem Motto: „Think globally, act locally“.

In meinen ersten Jahren in Frankfurt engagierte ich mich sporadisch in einer Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt. Über die Teilnahme an Treffen der Gruppe Klimattac lernte ich verschiedene Klimaaktivisten in Frankfurt kennen. Ich beteiligte mich an einzelnen lokalen Aktionen und fing an mich für die Antikohlekraft-Bewegung zu engagieren. Ich nahm an verschiedenen Klimacamps im Rheinland und Ende Gelände Aktionen um den Hambacher Wald teil. Vor allem im Jahr 2018 war ich dazu auf vielen Demonstrationen. Das Engagement im Hambacher Wald war jedoch auf lange Sicht zu zeitintensiv und zudem merkte ich auch hier wieder den Drang mehr lokal als überregional agieren zu wollen. Bei einem Klimattac-Treffen im Jahr 2019 war eine Frau aus München zu Besuch, die erfolgreich ein Bürgerbegehren zum Abschalten des dortigen Kohlekraftwerks initiiert hatte. Inspiriert von dieser Idee suchte ich nun nach Gleichgesinnten, die ein ähnliches Begehren in Frankfurt auf den Weg bringen wollten. Bei einem Klimavernetzungstreffen im September 2019 erzählte ich von meiner Idee, ließ eine Interessentenliste rumgeben und dann nahm alles seinen Lauf…”


“Mit dem Klimaentscheid Frankfurt möchten wir mittels eines Instrumentes der direkten Demokratie eine entscheidende Wende in der lokalen Klimapolitik bewirken. In der Vergangenheit wurden seitens der Stadt diverse Studien in Auftrag gegeben, die aufzeigen, wie sich die CO2-Emissionen Frankfurts zusammensetzen und wie diese reduziert bzw. neutralisiert werden können.
Wissen zur Eindämmung des Klimawandels auf lokaler Ebene ist ausreichend vorhanden.
Es mangelt an der Umsetzung.
Um dies zu ändern, entwickeln wir vom Klimaentscheid konkrete Klimaschutzforderungen für die Stadt und machen uns dafür stark, dass diese durch ein Bürgerbegehren verpflichtend umzusetzen sind. Es handelt sich dabei um ein zweistufiges Verfahren: Im ersten Schritt sammeln wir unter den wahlberechtigten Bürgern so viele Unterschriften wie möglich für unsere Forderungen. Mind. Ca. 20.000 Stimmen, nach oben definieren wir keine Grenze. Die gesammelten Unterschriftenlisten werden dann der Stadt Frankfurt übergeben. Die Stadt kann nun die Forderungen des Bürgerbegehrens direkt umsetzen. Falls sie das nicht möchte, erfolgt eine rechtliche Prüfung des Begehrens. Wird das Begehren rechtlich anerkannt, kommt es zu einem Bürgerentscheid, bei dem die wahlberechtigten Bürger in einer mit Ja oder Nein beantwortbaren Frage über die Forderungen abstimmen. Bei einer einfachen Mehrheit mit einer Wahlbeteiligung von mind. 15% wird der Entscheid angenommen und muss von der Stadt umgesetzt werden (äquivalent zu einem Beschluss des Stadtparlaments).”


Links:
https://www.klimaentscheid-frankfurt.de
info@klimaentscheid-frankfurt.de

Zwischenspielmusik “Chilling with Jr.” vom Pseudosound
https://www.reverbnation.com/pseudosound


Falls ihr uns von eurem persönlichen Wandelpunkt erzählen möchtet und was daraus entstanden ist, oder wenn ihr jemanden kennt, den wir interviewen sollen, einfach kontaktieren oder eine E-Mail an kontakt@wandelpunkt-podcast.de schicken.
Wir freuen uns, von euch zu hören.